
Es sind bereits 20 Jahre vergangen, seit vier nette Schüler aus Strassburg die Band Weepers Circus gründeten und dabei vier ebenfalls nette Jungs aus Liverpool – aber auch die Rolling Stones, Pink Floyd und Led Zeppelin – als Vorbilder hatten. Rockige Rhythmen und feine Melodien waren von Beginn an das Markenzeichen der weinenden Zirkusleute, die sich an-fänglich auch mit Theater, Tanz und Malerei beschäftigten. Nach dem Erfolg ihres ersten Albums Le fou et la balance überschreitet ihr Ruf endlich die regionale Grenze, und die Weepers Circus erobern das, was die Elsässer das “innere Frankreich” nennen. Dann geht alles ganz schnell, es folgen unzählige Touren und mehrere CDs. Heute erscheint Tout n'est plus si noir, ihr sechstes Album.
Tout n'est plus si noir (“Es ist nicht mehr alles so schwarz”) ist natürlich als ironische Feststel-lung zu verstehen. Nachdem die Weepers Circus über Jahre hinweg einen humorvollen, aber zumeist sensiblen Ton angeschlagen haben, werden auf diesem Album die Texte plötzlich deutlich härter und spiegeln die Leiden, Illusionen und Irrfahrten unserer Zeit auf sarkasti-sche, aber niemals aggressive Art und Weise wider. “Bislang wurden wir von unseren inne-ren Welten und Traumgefühlen getragen, mit Tout n'est plus si noir nähern wir uns der Realität”, erklären die Bandmitglieder. Neben gesellschaftlicher Kritik wird in Liverpool den Beatles Tribut gezollt, auch literarische Referenzen (Le K ist der französische Titel der Novel-le Il colombre) durften in diesem Album nicht fehlen.
Zu scharfen Gitarren, opulenten Saiten- und getragenen Windinstrumenten gesellen sich Keyboard und Klavier mit Sinnlichkeit und Eleganz. Weepers Circus verkörpert diese ganz spezielle französische Mischung aus Chanson und Rock, wobei die Band sich nicht einschrän-ken lässt und Einflüsse aus Osteuropa, Gypsy Sounds oder mittelalterliche Klänge in ihren Kompositionen einfließen lässt. Mit Tout le monde chante schlagen sie die Brücke zum Ragga, Ma dame aux camélias mutet orientalisch an, während La renarde akustisch klingt. Überraschungsgäste runden das Werk ab, insbesondere die sanfte Stimme der Schau-spielerin Irène Jacob (Drei Farben: Rot) in der Interpretation von Je crois encore entendre und der Einsatz von Mathias Malzieu, dem Bandleader von Dionysos, einer der bekanntesten Rockbands in Frankreich.
Auch nach zwanzig Jahren sind die schicken Jungs von Weepers Circus, die ihr Äußeres pfle-gen und Jean-Paul Gaulthier mit Würde tragen, lange nicht aus der Puste gekommen. Es ist ihnen gelungen, ein weiteres Album zu schaffen, auf dem phantasievolle Klänge poetische und scharfsinnige Texte perfekt zur Geltung bringen.
Im November 2009, kommt ein neues Buch-CD mit traditionnellen und neugeschribeden Lieder für kleini (und grossi) Kinder : Weepers Circus à la Récré (“Weepers Circus an der Schuhlpause”), illustriert mit Bilder von Tomi Ungerer. Natülich, damit gibt es auch ein Show nur für die Kinder.